Regenwasserprojekt

regenwasserprojekt3

Abkopplungsmaßnahme am Gymnasium Kleiststraße – Projektinfos

Worum geht es?
Das Ruhrgebiet ist in den vergangenen Jahrzehnten – eigentlich im gesamten vergangenen Jahrhundert – in punkto Natur häufig nicht gut behandelt worden. Besonders hart hat es die Bäche an der Emscher und die Emscher selber getroffen. Als vor mehr als einem Jahrhundert der Kohlebergbau zwischen Ruhr und Lippe im großen Stil begann, wurden sie zu offenen Abwasserläufen ausgebaut. Da durch den Kohleabbau häufige und starke Bergsenkungen passierten, die Abwassermengen genau wie die Industrie und die Bevölkerung rasant zunahmen und es schon wiederholt zu Epidemien durch Abwasser und unhygienische Verhältnisse gekommen war, war ein leistungsstarkes Abwassersystem zu dieser Zeit dringend notwendig. Dies wurde geschaffen, in dem man die Bäche begradigte, mit Sohlschalen aus Beton auskleidete und wo nötig eindeichte: das Emscher-System mit seinen „Köttelbecken“ war geboren. Es leistete viele Jahrzehnte gute Dienste, indem es alles Abwasser schnell und problemlos zu den Kläranlagen leitete und dabei einen hervorragenden Schutz vor Hoch-wasser bot – und das alles zu bezahlbaren Kosten.

Heute ist der Bergbau aus dem Ruhr- und Emschergebiet abgewandert. Damit hören die Bergsenkungen auf und es gibt keinen triftigen Grund mehr für offene Abwasserläufe. Mehr noch: die Bevölkerung wünscht sich für ihre Freizeit saubere Gewässer, an denen sie wandern und Rad fahren, sich aufhalten und wohlfühlen kann. Das geht nur an abwasserfreien, intakten Gewässern. Auch die Gesetzgebung fordert mit der sogenannten europäischen Wasserrahmenrichtlinie, dass alle Gewässer Europas einen guten ökologischen Zustand erreichen.

Die Emschergenossenschaft arbeitet daher seit 1990 am Umbau des Emscher-Systems: das Abwasser wird dabei aus den Gewässern in unterirdische Abwasserkanäle/Rohrleitungen verbannt und unterirdisch zu den Kläranlagen geleitet. Die Gewässer führen dann nur noch sauberes Wasser und benötigen ihr Betonkorsett und die geraden Ufer nicht mehr, sie werden schöner und natürlicher gestaltet und bekommen endlich das Gesicht, das sich die Menschen wünschen. Überall in der Region finden sich solche Kanal- und Gewässerbaustellen der Emschergenossenschaft, und die umgebauten Gewässer werden immer mehr. In Essen kann man sich am Beispiel des Läppkes Mühlenbachs in Frintrop und seit kurzem auch am Borbecker Mühlenbach vom Essener Uni-Klinikum bis zum Rhein-Ruhr-Zentrum bereits ein Bild davon machen, wie sich durch die neuen naturnah gestalteten Gewässer ein Land-schaftsbild verändert.

Das Projekt Emscher-Umbau ist aufgrund der Einzugsgebietsgröße von 865 km² und der Vielzahl der dabei zu bearbeitenden Aufgaben die größte wasserwirtschaftliche Maßnahme in Europa und ein deutlich sichtbarer Teil des Strukturwandels der Region.

Warum Regenwasser-Projekte?
Unsere Städte haben fast flächendeckend eine sogenannte Mischkanalisation. Darin werden das Regenwasser der befestigten Flächen (Hausdächer, Straßen, Hofflächen usw.) und das Schmutzwasser, das in den Haushalten (Bad, Küche usw.) und den Betrieben (gewerbliche/industrielle Abwässer) anfällt, gemeinsam abgeleitet. Wird das Regenwasser in die Kanalisation abgeleitet, kommt es oft erst weit entfernt nach der Passage der Kläranlage wieder in ein Gewässer: Regen, der in Gelsenkirchen auf befestigte Flächen fällt, fließt durch die Kanalisation bis zur Kläranlage in Bottrop. Regenabfluss aus Castrop-Rauxel hat sogar ei-nen noch weiteren Weg! Das stört den Wasserhaushalt unserer Gewässer empfindlich, denn dieses Regenwasser müsste normalerweise, also in der Natur, im Boden versickern und so ins Grundwasser gelangen. Das Grundwasser speist wiederum die Bäche und sorgt dafür, dass dort auch in trockenen Zeiten Wasser zu finden ist. Abgeleitetes Regenwasser fehlt also den Bächen – und führt in der Kanalisation zu Kosten, denn je mehr Regenwasser ver-mischt mit dem Schmutzwasser in Rohrleitungen abgeleitet wird, desto größer (und teurer) ist die benötigte Kanalisation. Fällt einmal soviel Regen, dass die Kanalisation ihn nicht vollständig aufnehmen und ableiten kann, so wird das überschüssige Wasser ausnahmsweise direkt in die Bäche geleitet. Das führt dort zu plötzlichem und starkem Hochwasserabfluss, auf das sich die Bachlebewesen oft nicht einstellen können. Sie werden dann mitgerissen und finden sich weit bachabwärts wieder, die Bachlebensgemeinschaften geraten durcheinander. Dieses Problem könnte sich in Zukunft noch verstärken, denn im Rahmen des Klimawandels sollen sogenannte Starkregen vor allem im Sommer weiter zunehmen.

Was kann man mit Regenwasser machen?
Es gibt also gute Gründe, Regenwasser nicht in die Mischwasser-Kanalisation abzuleiten. Aber was sind die Alternativen?
Dort, wo genug Freiflächen vorhanden sind und die Böden sich eignen, kann Regenwasser in offenen Geländemulden oder unterirdischen Anlagen vor Ort versickern und so ins Grundwasser gelangen. Aber auch das Einleiten in ein Gewässer, ohne Vermischung mit Schmutzwasser, die Nutzung von Regenwasser anstelle von Trinkwasser, die Rückhaltung in begrünten Dächern und Kombinationen solcher Lösungen stellen sinnvolle Alternativen zur Mischkanalisation dar.
Das Land Nordrhein-Westfalen sieht diese sogenannte naturnahe Regenwasserbewirtschaf-tung als so wichtig an, dass sie ihr in dem entsprechenden Gesetz – dem Landeswassergesetz – den Vorrang vor der Mischwasserkanalisation gibt. Damit soll aus neuen Baugebieten das Regenwasser nicht mehr über Mischwasserkanäle fortgeleitet werden. Das ist für unsere Region, in der die Besiedlung ja zum allergrößten Teil bereits besteht, nicht genug – hier muss sich auch in den bestehenden Gebieten etwas ändern! Und noch etwas ist hier beson-ders: hier werden im Rahmen des Umbaus des Emscher-Systems ja die meisten der großen Kanäle gerade erst gebaut. Auch viele teure städtische Kanalbaumaßnahmen könnten ent-fallen, würden die abzuleitenden Regenmengen durch neu versiegelte Flächen nicht ständig steigen. Durch einen anderen, einen naturnahen Umgang mit Regenwasser kann also oft richtig Geld gespart werden!

Die ersten Gewässer des alten Emscher-Systems, die seit einigen Jahren von der Abwas-serlast befreit und jetzt wieder der Natur überlassen sind, zeigen uns: die Natur holt sich vieles zurück – wenn man ihr die Chance gibt. Zu dieser Chance gehört auch, dass stets genug Wasser für die Bachlebewesen zur Verfügung steht und plötzliche Hochwasser so weit wie möglich vermieden werden. All dies setzt aber eins voraus: Regenwasser wo immer möglich nicht über die Kanalisation abzuleiten, sondern naturnah zu bewirtschaften.

Dies kann über die verschiedensten Maßnahmen erreicht werden, und jeder Besitzer befestigter Flächen kann seinen Beitrag leisten. So können Schulhöfe mit offenen Wasserelementen und Versickerungsanlagen wieder lebendiger gestaltet werden. Große Gewerbebetriebe nutzen das Regenwasser zu Kühl- und Reinigungszwecken. Wohnungsbaugesellschaften beziehen den anderen Umgang mit Regenwasser als wichtiges Element zur Freiflächenges-taltung in ihre Modernisierungsmaßnahmen ein. Und auch jeder Hausbesitzer kann durch die Abkopplung von Dach- oder Hofflächen seinen ganz eigenen Beitrag leisten!

Was passiert am Gymnasium Kleiststraße?

Das Gymnasium Kleiststraße mit einer Grundstücksfläche von rund 3,5 Hektar (= 35.000 m²) entwässert zurzeit im Mischsystem in die angrenzenden öffentlichen Abwasserkanäle. Das Schmutz- und Regenwasser wird zwar in einzelnen Bereichen heute schon getrennt abgeleitet, aber alle Leitungen werden noch auf dem Schulgelände zu einem Mischkanal zusammengeführt. Hierhin gelangt auch das Regenwasser der großen befestigten Schulhofflächen. Von den insgesamt rund 2,2 ha befestigter Fläche – das sind 22.000 m² – kommen so über ein Jahr fast 15.000 m³ oder 15.000.000 Liter Regenwasser zusammen.

Für eine Versickerung des Regenwassers, was meist die einfachste Lösung darstellt, sind die Voraussetzungen auf dem Schulgelände schlecht: die wenigen Grünflächen sind klein und intensiv genutzt. Die Böden sind wenig wasserdurchlässig und im Untergrund oft mit Bauschutt aufgefüllt, aus dem eine Versickerung u.U. Schadstoffe in das Grundwasser abtragen könnte. Deshalb sollen hier Schmutz- und Regenwasser in den Leitungen voneinan-der getrennt werden. Dazu werden an vielen Stellen auf dem Schulgelände neue Ableitungskanäle für das Regenwasser geschaffen. Diese verlassen im Bereich der Parkplatzzufahrt das Schulgelände. Das Regenwasser wird dann durch den Weidenweg weitergeleitet bis in das Siepental am Schwanenreiterteich. Auch das Regenwasser, das auf dem Weidenweg anfällt, wird an das neue System angeschlossen. Im Siepental gelangen die Regenabflüsse wieder an die Oberfläche und suchen sich durch das Siepental einen Weg zum Teich am Sportplatz. Hier ist vor einigen Jahren bereits eine Leitung entstanden, die das saubere Wasser, das aus dem Teich überläuft, in Höhe des Rhein-Ruhr-Zentrums zum Borbecker Mühlenbach leitet. Das abgekoppelte Regenwasser belastet nicht mehr die Kanäle und die Kläranlagen, sondern steht der Natur wieder zur Verfügung. Auf diese Weise wird der Bach ständig mit sauberem Wasser versorgt. Weitere Regenwasserprojekte an der Grundschule Sunderplatz sowie im Bromersfeld helfen hierbei ebenfalls. Wer einmal aufmerksam durch den Grünzug geht, findet auch die beiden Stellen, an denen das Wasser dieser Projekte in das Tal geleitet wird.

Wann wird gebaut, was merkt man im Schulbetrieb?
Um das Regenwasser des Schulgeländes wie beschrieben von der Mischkanalisation abzukoppeln, werden vor allem neue Kanäle zum Gewässer, aber auch auf dem Schulgelände verlegt. Die Arbeiten auf dem Schulgelände finden fast ausschließlichz in den Sommerferien 2012 statt. Dabei wird dafür gesorgt, dass eine Zufahrt zu den Gebäuden (Feuerwehr!) ständig möglich ist. Kanalbaugruben werden zum Arbeitsende gesichert und so schnell wie möglich wieder verschlossen. Damit die Arbeiten zügig durchgeführt werden, ist das Schulgelände anders als sonst in diesen Sommer- und Herbstferien nicht als Spielgelände freigegeben. Die Baustellenfläche sowie Lagerbereiche werden mit Bauzäunen gesichert, um unbefugtes Betreten zu vermeiden.

Im Herbst 2012 sollen dann sämtliche Arbeiten für die Abkopplungsmaßnahme fertig gestellt werden und das Regenwasser über das neue System in das Siepental fließen.

weitere Infos: http://www.emscher-regen.de/