Kreatives Schreiben II

 

Schülertexte

– entstanden im Rahmen der Unterrichtsreihe zu Kurzgeschichten der Nachkriegszeit –

Nach der analytischen Beschäftigung mit verschiedenen Kurzgeschichten von Wolfgang Borchert , die in der Nachkriegszeit entstanden sind, haben die Schülerinnen und Schüler der 9d mit unterschiedlichen Methoden des kreativen Schreibens eigene epische Texte – Kurzgeschichten – verfasst. Hier eine Auswahl:

Die folgende Geschichte ist durch „Klopfwörter“ entstanden. Die Schülerin hat von verschiedenen Schülern Begriffe bekommen, an die diese – spontan beim Klopfen auf den Tisch – gedacht haben. Ihre Klopfwörter lauteten: Laub, Arm, Balkon.

Er wartete. Der Garten war schon voll mit Laub und es roch nach Herbst.

Sie kam zu ihm auf den Balkon. Komm rein. Du erkältest dich noch!, sagte sie. Schau nur!, erwiderte er, schau! Der Baum dort verliert sonst die Blätter als erstes. Aber schau! Er zeigte auf ein letztes rot-goldenes Blatt, das an dem sonst kahlen Baum hing. Sie sah ihn verdutzt an, bevor sie sanft den Arm des Mannes nach unten drückte. Jetzt komm rein, probierte sie es noch einmal. Doch er blieb stehen. Hoffnung, flüsterte er, und fuhr mit seiner Hand über die Wunde am Bein. Der Kampf ist noch nicht verloren. Ohne ein weiteres Wort ging er zurück in das Haus und ließ sie alleine auf dem Balkon stehen. Sie schüttelte den Kopf und folgte ihm nach einer Weile.

Kamen näher und näher. Die

(Belana Behrendt, 9d)

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Es war dunkel und still. Sie lief durch die dunklen Straßen von Paris. Sie wusste, dass er kommen würde. Und sie wusste auch, dass er sie mitnehmen würde. Es war so still, dass sie ihren eigenen Atmen hören konnte. Auf einmal hörte sie etwas. Ein Mülleimer war umgefallen. Jetzt kommt er, dachte sie, jetzt kommt er. Sie ging weiter. Sie wusste nicht mehr, wo sie war. Sie würde es nie nach Hause schaffen, dachte sie. Sie hörte Schritte. Große, kräftige Schritte. Die kleine Amrha, das war ihr Name, versteckte sich hinter einem Busch. Sie sah einen großen Schatten. Der Schatten kam immer näher. Jetzt sah sie ihn. Vor ihr stand ein Riese. Der Riese streckte die Hand zu ihr aus und…

Amrha wachte auf. Zum Glück nur ein Albtraum, dachte sie sich. Sie sah zur Uhr. Es war 4Uhr morgens. Sie ging zum Fenster, um es zu öffnen. Und vor ihrem Fenster stand er dann, der Riese…

(Aaron Bohse, 9d)

Ich wachte plötzlich auf. Da war dieser komische Albtraum. Aber was war eigentlich passiert? Die Uhr zeigte 0:01 Uhr. Hatte es etwas damit zu tun, was mir gestern zugestoßen ist? Ich versuchte, meine Augen zu schließen und wieder einzuschlafen, doch es ging nicht. Jedes mal, wenn ich meine Augen schloss, sah ich dieses Bild. Es ging nicht. Ich konnte an nichts anderes denken. Es ging einfach nicht. Ich verstand nicht, wie ein Mensch nur so etwas tun konnte.

Ich versuchte aufzustehen, doch meine ganzer Körper schmerzte. Ich stützte mich an der Wand meiner Zelle ab, als ich spürte, wie meine Beine nachgaben. Dort saß ich nun. Auf dem staubigen Betonboden. Ich starrte die Projektion der Uhrzeit auf der Wand an. Null Uhr drei. Bald würden sie wiederkommen. Sie würden mich Dinge fragen, von denen ich nichts wusste. Ich spürte, wie Tränen an meiner Wange hinunterliefen. Bald ist es vorbei, dachte ich. Bald.

(Emely Hillmann, 9d)