Politik (-Unterricht) ist wichtig

– Ergebnisse einer Umfrage an unserer Schule –

Der Diff-Kurs Politik/Wirtschaft in der Jahrgangsstufe 9 hatte sich vorgenommen, in den Jahrgangsstufen 9 und 11 alle Schülerinnen und Schüler unserer Schule nach ihrem „Interesse an Politik“ zu befragen. Die Kursteilnehmer arbeiteten mit Akribie einen elf Themen umfassenden Fragebogen aus.

Geradezu gespalten ist die befragte Schülerschaft, wenn es um die Frage geht, ob sie sich ganz allgemein für Politik interessieren. Gleich groß ist die Gruppe, die sich als „interessiert“ (46%) oder „wenig interessiert“ (46%) bezeichnet. Nur jeweils 4% ordnen sich als „stark“ oder „gar nicht interessiert“ ein. Die Jahrgangsstufen 9 und
11 unterscheiden sich hier kaum.

Ein ähnliches Ergebnis zeigt sich bei der Frage, ob man sich „aktiv über das, was in der Politik los ist“ informiert. 60% tun das, aber 40% wählen die Antwort „nein“. Das Fernsehen ist dabei die bevorzugte Informationsquelle (52%), eine Tageszeitung wird weniger genutzt (15%).
Dennoch hält es eine große Mehrheit für wesentlich, informiert zu sein und ein solides „politisches Allgemeinwissen“ zu haben. So halten z. B. 70% den Politik-Unterricht für „wichtig“ oder „eher wichtig“.

Vorsichtig sind sie allerdings, wenn sie eine Selbsteinschätzung ihres politischen Allgemeinwissens vornehmen sollen. So meinen 2/3 der Schüler/innen, nur einen befriedigenden oder ausreichenden Kenntnisstand in Sachen Politik zu haben. Dass es sich hier um eine realistische Einschätzung handelt wird deutlich bei der Beantwortung einer Testfrage: „Wer wählt den Bundespräsidenten?“ Zwei Drittel der Befragten beantwortet diese Frage falsch. Nur 33% wissen, dass die Bundesver-sammlung den Bundespräsidenten wählt. Alle anderen glauben fälschlicherweise, dass der Bundestag, der Bundesrat oder eine Direktwahl durch das Volk diese Wahl vornimmt.
Etwas besser fällt das Ergebnis einer weiteren Testfrage aus. Der Kurs wollte herausfinden, ob die Schüler/innen wissen, was man in der Bundesrepublik unter einer „wehrhaften Demokratie“ versteht. Immerhin konnten das 52% richtig beant-worten. (Das Verfassungsgericht hat das Recht Parteien mit verfassungsfeindlichen Zielen zu verbieten.) Auch hier unterscheiden sich die beiden Jahrgangsstufen nur geringfügig.

Widersprüchlich ist das Ergebnis unserer Erhebung bei der Simulation einer Wahl, weil sich fast 80% gerne an einer Bundestagswahl beteiligen würden, wenn man ihnen dazu die Gelegenheit gäbe. Der Kurs wollte es genau wissen: Welche Partei würdest du wählen?
Das Wahlergebnis unterscheidet sich an einigen Stellen von dem Ergebnis der letzten Bundestagswahl. So hätte etwa die AfD (0,7%), aber auch die Linke (3%) keine Chance in den Bundestag einzuziehen. Die CDU wird mit 43% stärkste Partei, die SPD erreicht 19%, die FDP 20% und die Grünen 14% der Stimmen. Aber nur 64% aller Befragten geben ihre Stimme ab.
Vielleicht doch keine ausreichende Unterstützung für die Forderung nach einer Absenkung des Wahlalters?

Peter Leitzen