Judith Altmann: Erfahrungen und Gefühle einer Holocaust-Überlebenden

Gymnasium Heißen, 02.09.2014.

KZ und Auschwitz. Diese Begriffe lassen auch heute noch viele Menschen beim bloßen Erwähnen erstarren. Sie entstammen einem der schwärzesten Kapitel der Menschheitsgeschichte, die Rede ist vom Holocaust während des 2. Weltkriegs.

[read more=”Mehr lesen..” less=”Weniger lesen..”]Was Geschichtsbücher, Diagramme, Biographien und andere Lernmaterialien nur als Fakten darstellen können, sind der Horror und das menschliche Leid dieser Zeit. Schließlich litten, abseits der Schlachtfelder, zahllose Menschen unter den grausamen, widerwärtigen Taten Nazi-Deutschlands, gerade an der jüdischen Gemeinschaft wurden abscheuliche Verbrechen begangen.

Am 2. September 2014 durften zehn bilinguale SchülerInnen der Jahrgangsstufen 9 und der Q1 sowie mehrere Lehrer eine einzigartige Erfahrung machen. Im Rahmen eines Deutschland-Aufenthalts kehrte die US-Amerikanerin Judith Altmann, welche als Jugendliche Zwangsarbeit und KZ überstand, in das Ruhrgebiet zurück, auch hier, ganz in der Nähe des Rhein-Ruhr-Zentrums, hatte sie als Zwangsarbeiterin arbeiten müssen.

Was uns in anderthalb Stunden ihres Besuchs erwarten würde, war die Geschichte einer Frau, der jeder Grund zum Leben gewalttätig entrissen wurde und die dennoch weiter ums Überleben kämpfte. Die Worte “Judith, du wirst leben“ ihres in Auschwitz ermordeten Vaters, brannten sich fest in ihren Kopf ein.

Noch heute berührt dieses Thema Frau Altmann zutiefst, auch sie weinte, während sie über den Tod von Verwandten erzählte. Mit Ausnahme ihrer Stimme, beherrschte beklemmende Stille den Raum und auch seitens der Zuhörer flossen Tränen. Sie schilderte von verstörenden Geschehnissen, wie bspw. der Selektion durch Joseph Mengele, der Zugfahrt nach Auschwitz oder den Todesmärschen. Und dies in einer detaillierten und bildhaften Weise, die alle Anwesenden in ihren Bann zog. Doch die bewegte Geschichte von Frau Altmann ist auch eine mutiger Persönlichkeiten, die dem NS-System zu Trotze handelten. Die „SS-Frau Erika“, wie Frau Altmann sie nennt, da sie nicht ihren vollständigen Namen kennt, habe sie vor dem Tod bewahrt, ein Graf aus Schweden habe mit seinem Vermögen tausende Kinder der Nachkriegszeit vor dem Verhungern bewahrt.

Im Nachhinein waren wir alle dankbar und überwältigt von diesem einzigartigen, wenn auch verstörenden Erlebnis und jeder wird sich Frau Altmanns Botschaft des Friedens und gegen Ungerechtigkeit zu handeln, zu Herzen nehmen. Die Idee eines erneuten Besuchs ihrerseits fand große Zustimmung, und ihre folgenden abschließenden Worte würde niemand von uns so schnell vergessen:

„Ich habe jedes Recht zu hassen. Aber ich hasse nicht. Hass zerstört nur dich selbst.“

Jan-Phillip Jung, Q1

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