Prof. Dr. Heinz-Jürgen Axt zu Gast am Gymnasium Heißen

Prof Axt

Prof. Dr. Heinz-Jürgen Axt zu Gast am Gymnasium Heißen Am 07.03.2013 hatte das Gymnasium Heißen die Ehre einen der renommiertesten Wirtschaftsexperten Europas – wenn nicht gar der Welt – willkommen zu heißen. Bereits im Rahmen unseres Sozialwissenschaftsunterrichts wurde uns der Besuch von Professor Doktor Axt angekündigt und weckte großes Interesse innerhalb der Schülerschaft, da die thematisierte Problematik seines Vortrages eines der wohl aktuellsten und meißt diskutiertesten Themen überhaupt umfasste: “Eurokrise, Griechenland & die Zukunft der EU”. Wohl auch aus diesem Grund schlossen sich unserem Sozialwissenschaftskurs noch diverse andere interessierte Schüler, der Stufen 10 bis 13 an, um dem Vortrag beizuwohnen. Diese wurde wegen der hohen Relevanz der Thematik sogar teilweise vom Unterricht befreit. Aufgrund der hohen Teilnahme verlegte man den Vortrag kurzerhand in die Aula, um jedem Interessierten einen Sitzplatz zu gewähren. So war jeder Stuhl mit dem Beginn der Veranstaltung, in der siebten Unterrichtsstunde, belegt.

Den Anfang des Vortrages markierte die Frage des Professor an die Schüler, wer von ihnen im Alter von 30 Jahren denn noch zuhause leben wolle. Selbstverständlich war dies bei keinem der Fall, woraufhin Herr Professor Doktor Axt eine Überleitung zum Thema Griechenland bildete. Dort sei es gegenwärtig nämlich der Fall, dass junge Erwachsene sich keine eigene Wohnung leisten können und sogar im Alter von 30 Jahren noch bei ihren Eltern leben bzw. zu ihnen zurückziehen. Gründe dafür seien eine hohe Jugenarbeitslosigkeit und die prikäre wirtschaftliche Lage Griechenlands.

Zur Veranschaulichung zog der Professor einen Vergleich aus der Medizin herbei. So könne man Griechenland mit einem Patienten vergleichen. Denn auch beim “griechischen Patienten” gebe es Symptome, eine Diagnose und eine Therapiemöglichkeit. Eben jene Dreiteilung zog sich auch durch die gesamte Struktur des Vortrages.

Die ersten Krankheitssymptome Griechenlands seien erst ab dem 21.10.2009 aufgetreten. Zu diesem Zeitpunkt war das Haushaltsdefizit zu hoch und die Eurokrise nahm ihren Lauf. Dies wurde den Schülern durch diverse Statisken erläutert. So ist die Armutsgefährdung mit 17,9 % in Griechenland fast doppelt so hoch wie der Durchschnittswert in der gesamten Europäischen Union (9,6 %).

Um die Ursachen der Misere, oder methaphorisch “die Diagnose”, zu erforschen müsse man sich verschiedene Faktoren innerhalb der griechischen Wirtschaft anschauen. Dazu gehöre die Importwirtschaft, eine zu hohe Staatsverschuldung, der viel zu aufgeblähte Staatsapparat und die massive Steuerhinterziehung & Korruption. Gerade die letzten beiden Aspekte weckten bei den Schülern großes Interesse und sorgten immer wieder für diverse Zwischenfrage, nicht zuletzt weil das Thema Korruption ein relativ unbekanntes Delikt in Deutschland ist, in Griechenland jedoch ein nahezu alltägliches Problem zu seien scheint. Auch der enorm ausgeprägte Staatsapparat Griechenlands wurde stark thematisiert und kritisiert. So haben viele Beamte fast gar keine Aufgabe und seien schlicht überflüssig. Dies hänge auch mit dem politischen System Griechenlands zusammen. So sei es Tradition, dass die Wahlversprechen auf einen gesicherten Arbeitsplatz auf Kosten des Staatsapparats verwirklicht wurden, obwohl dieser bereits sowieso einer viel zu großen “Beamtenüberbelegung” ausgesetzt war.

Ein weiteres Thema war de politische Radikalisierung durch die Eurokrise. So haben neue, radikalere Parteien prozentual in Griechenland zugelegt, was auf längere Sicht zu einer fragwürdigen Entwicklung führen könne. Die Versprechen dieser Parteien, dem “Sparkurs-Diktat” der EU entgegenzuwirken, finden im griechischen Volk jedenfalls großen Anklang.

Natürlich stellt sich nach diesen Diagnosen auch die Frage nach einer Lösung: Der “Therapie”. Diese wird momentan durch Finanzhilfen aus Deutschland verwirklicht, wobei der Anteil dieser “Hilfsspritzen” aus 27% des Geldes Deutscher Steuerzahler besteht. “Doch warum schließt man Griechenland denn nicht einfach aus der Eurozone aus?” – so eine Schülerfrage. Dies sei laut Professor Doktor Axt nicht so einfach, denn kein Land könne dazu gezwungen werden aus der Währungsunion ausgeschlossen zu werden. Nur ein freiwilliger Austritt würde in Frage kommen, dieser sei jedoch natürlich nicht im Interesse der Griechen.

Auch sein Schlusswort teilte Professor Axt in drei Teilantworten, auf die Frage, ob Griechenlands wirtschaftliche Lage denn überhaupt noch regneriert werden könne. Dies wäre der Fall, WENN die politische Stabilität gesichert und sämtliche Reformen umgesetzt werden. DANN kommt es wieder zu einem Wachstum und zur Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands. ALLERDINGS sei Griechenland selbst dann noch auf die Europartner angewiesen und hinge weiterhin am “Tropf der EU”.

Demnach sei eine vollkommene Lösung der Krise noch in weiter Ferne. Gerade der Ernst der Lage war für die meißten Anwesenden wohl kaum bekannt. Auch in Folge der Besprechung innerhalb unseres Sozialwissenschaftsunterrichts wurde klar, dass die Situation und die Relevanz der Krise für Europa von den meißten unterschätzt wurde. In meinen Augen macht eben dieser Effekt der Aufklärung den Vortrag von Herrn Professor Doktor Axt zu einem vollen Erfolg.

Marc-André Ostrowski