Eine Flucht hat viele Gründe

Fluchtgrund-Ausstellung am Städtischen Gymnasium Heißen

Wissen Sie, dass von 100 Geflüchteten 86 in Ländern mit einem niedrigen Lebensstandard aufgenommen werden? 

Oder ist Ihnen klar, dass unser Süßigkeitenkonsum und unser Coffee to go für andere ein Fluchtgrund sind?

Können Sie sich vorstellen, welchen Zusammenhang es zwischen Landgrabbing großer Unternehmen und der Krise Äthiopiens gibt?

Antworten auf diese und weitere Fragen bietet die Ausstellung „Fluchtgrund“, die für zwei Wochen (23.11. – 4.12.) am Städtischen Gymnasium Heißen präsent gewesen ist.

Schülerinnen und Schüler ab der achten Jahrgangsstufe hatten die Möglichkeit, die Ausstellung im Markt der Schule zu besuchen und sich die unterschiedlichen Fluchtgründe mithilfe eines Fragebogens vor Augen zu führen. 

Beispielsweise landet unser Plastikmüll nicht immer auf dem Recyclinghof, sondern in unseren Weltmeeren. Der Fischer am anderen Ende der Welt sieht seine Existenz bedroht, da er sowohl gegen Plastik als auch gegen gut ausgestattete Fischereiflotten aus China, Russland und Europa ankämpft. Dieser Kampf ist oftmals zwecklos und endet in verzweifelter Flucht.

Das ertragreiche Land wird oft von internationalen Großkonzernen bewirtschaftet. Die einheimische Bevölkerung kann ihr eigenes fruchtbares Land somit nicht eigenständig nutzen und muss als Landarbeiter unter menschenunwürdigen Bedingungen auf den Plantagen arbeiten. Externe Entwicklungshilfe wird nur aus den genannten Gründen nötig. 

Die Fluchtgründe der Ausstellung beziehen sich auf Landgrabbing, Konfliktrohstoffe wie Coltan aus dem Kongo für unsere Handys, den klimaschädlichen CO2 – Ausstoß und den Plastikverbrauch. 

Wir als Schule haben diese Aspekte um den Fluchtgrund Krieg/Bürgerkrieg ergänzt. Im Rahmen dessen haben Schülerinnen und Schüler unserer Schulgemeinde und der Vater eines Lehrers ihre persönliche Fluchtgeschichte in Schrift und Bild dargestellt. Im Fokus standen neben den Gründen auch die emotionale Gefühlslage. Die Betroffenen beschrieben die Verluste, die mit dem Verlassen der Heimat verbunden waren, aber auch die innere Befindlichkeit bei der Ankunft und dem Neuaufbau in der neuen Heimat. Eins ist uns allen noch bewusster geworden: Niemand verlässt freiwillig seine Heimat!

Die Inhalte der Ausstellung wurden fächerübergreifend (Politik, Erdkunde, Biologie) vertieft und ein Mitschüler aus der Oberstufe hat in den Klassen und Kursen, die die Ausstellung besucht haben, von seiner persönlichen Fluchtgeschichte berichtet – ein Moment, der alle Zuhörer sehr bewegt hat, denn er hat gezeigt, dass Flucht nichts Abstraktes ist. 

Fluchtgeschichten haben keine nationalen Ursachen, denn wir tragen durch unser Verhalten in einer globalisierten Welt die Mitverantwortung für die verschiedensten Fluchtgründe! 

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